Donnerstag, 2. und Freitag, 3. November 2017
jeweils 20.00 Uhr Thomaskirche
Puschkinstr. 11 a
99096 Erfurt
Eintritt ab 42,95 €
Vorverkauf:
www.ticketshop-thueringen.de
Ticket Hotline: 0361/ 22 75 227

Ben Becker
ICH, JUDAS „EINER UNTER EUCH WIRD MICH VERRATEN“

Text: Amos Oz: „JUDAS“, Kapitel 47 (Suhrkamp Verlag), Walter Jens: „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ (Radius Verlag) / Regie/ Inszenierung: Ben Becker / Musik: Domorganist Andreas Sieling / Dramaturgie: John von Düffel (Deutsches Theater, Berlin)

Judas, sein Name steht für Verrat. Seine Geschichte ist eine der Schuld ohne Vergebung. Er ist der  Meistverfolgte und Verteufelte: Judas, der Jünger Jesu, der Gottes Sohn mit seinem Kuss verrät und ans Kreuz liefert. Ben Becker übernimmt seine Rolle.

Der Fall Judas muss neu aufgerollt werden. Eine Geschichte wurde überliefert, ein Urteil gefällt, ein  Sündenbock gebrandmarkt für die Ewigkeit. Doch die Geschichte stimmt so nicht, das Urteil ist falsch. „Was war denn zu verraten“, fragt Judas in seiner Verteidigungsrede, „Jesus Aufenthaltsort? Den kannten Tausende. Sein großes Geheimnis, dass er Gottes Sohn sei? Das hat er selbst gesagt, vor allen Leuten!“ Und das ist nur der Anfang von vielen Unstimmigkeiten einer Geschichte, die mehr geglaubt als befragt wurde.

Das Bild von Judas, dem Verräter, ist ein Vorurteil mit den fatalsten Folgen: Antisemitismus,  Judenverfolgung, Glaubenskriege. Ben Becker erhebt seine Stimme für einen, der auserwählt war, den Anti-Christen zu spielen, um Jesus zum Messias zu machen. „Judas ist nichts ohne Jesus ... Aber Jesus ist auch nichts ohne Judas“, so die radikale Erkenntnis von Walter Jens, der in seinem Judas-Monolog die moralischen Gewissheiten jahrtausendelanger Frömmigkeit erschüttert.

Eine gigantische Aufgabe für einen Schauspieler: Hier steht einer auf gegen alle in einem verzweifelten Kampf um späte Gerechtigkeit. „Ich, Judas“ ist das existentielle Plädoyer für einen Verdammten, die Korrektur des größten Fehlurteils der Glaubensgeschichte und der Widerruf eines Irrtums, der die Welt gespalten hat.

Ben Becker sucht mit seiner Interpretation des Judas nicht nur den Widerstand gegenüber  Feindbildern, Vorverurteilungen und falschen Gewissheiten. Er spielt Judas genau dort, wo die Fragen des Glaubens und Zweifelns, der Erlösung und Verdammnis ihren Ort haben, in Gottes Haus.

Die Musik und sakrale Wucht der Orgel lassen Ben Beckers Judas-Verteidigung vollends zum Ereignis werden.

(Veranstalter: Meistersinger Konzerte GmbH [Berlin])